Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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Niemand ſich darüber beklagen möchte, durch ihren Mann andere Verluſte erlitten zu haben, als den Schlag, der das Herz trifft. Raimund mußte, es mochte nun in Zukunft gehen wie es wollte, als vollkommen ehrlicher Mann in ſeinem Grabe liegen. Um dieſes Ziel zu er⸗ reichen, war Johanna genöthigt, ſich von allen Trüm⸗ mern ihres früheren Wohlſtandes zu trennen, ihrem ganzen comfortablen Hausweſen Lebewohl zu ſagen. Dieſe Möbel, Gemälde, Bücher, Blumen, ja ſogar ihre eige⸗ nen Schmuckſachen und Kleinodien, woran ſich ſo viele frohe Erinnerungen knüpften, alles das in der Auktion ausgeſtellt und endlich nach langem Warten, unter Scherzen und luſtigen Einfällen, von neuen Eigenthü⸗ mern in Beſitz genommen zu ſehen, das war für die bereits ſo tief gedrückte Frau eine neue Marter, die jedes feinfühlende Herz verſtehen wird. Jedes Auf⸗ gebot war ein Schlag für ihr Herz, und ſie drückte ihr Kind noch feſter an ihre Bruſt; denn es däuchte ſie, als ſei ſie verurtheilt Alles zu verlieren, was ſie noch Liebes beſaß.

Das letzte Werk von Raimund's Hand, die Madonna, wurde durch die Fürſorge einiger Gönner in eine öffent⸗ liche Ausſtellung aufgenommen. Die Kunſtrichter hatten allerlei Bemerkungen zu machen. Manche Einzelheiten wurden ſtreng getadelt, aber Riemand konnte leugnen, daß das Gemälde im Ganzen wohlgelungen war, und Alle ſtimmten darin überein, daß der Ausdruck in Ma⸗ ria's Blick eine ideale Auffaſſung verrathe. Ein reicher Mann, ein Freund der ſchönen Künſte, machte ein Ge⸗ bot, das man ganz anſtändig fand. Es wurde ange⸗ nommen, und in der Summe, welche die Madonna eintrug, beſtand das ganze Kapital, das Johanna und ihrem ſchutzloſen Kinde übrig blieb.

Leidende zu tröſten iſt im Allgemeinen eine harte Aufgabe; denn es iſt ſchwer zu einer Ergebung und Zuverſicht aufzufordern, von der man fühlt, daß man ſie ſelbſt nicht beſitzt. Das Mitleiden iſt gewöhnlich das

Ein Funken. I. 2