Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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Einzige, aber wahrlich nicht das Beſte, was wir unſern

bekümmerten Freunden geben können. Johanna's nähere Bekaunte, herzensgute Menſchen, zeigten all die ängſt⸗ liche Theilnahme, die in ſolchen Fällen ſo gewöhnlich iſt. Sie weinten mit ihr und beklagten ſie zur Zeit und Unzeit. Einige von ihnen hatten ſogar die Unbedacht⸗ ſamkeit, kleine Winke fallen zu laſſen, wie anders es mit ihr ſtehen könnte, wenn Raimund verſtändiger und weniger phantaſtiſch geweſen wäre, wenn er ſeine Por⸗ traitmalerei fortgeſetzt und nicht nach der höheren Aus⸗ zeichnung geſtrebt hätte, die ihn das Leben koſtete. Es gibt nämlich überall Perſonen, die, wenn es Jemand unglücklich geht, ſogleich mit ihrer eigenen unfehlbaren und vortrefflichen Weisheit hervorrücken und glänzen wollen. Schon vor vielen Jahren, heißt es dann, habe ich vorausgeſagt, daß es ſo enden würde. wenn man meine Vorſchläge befolgt hätte wenn man meine Hülfe hätte annehmen wollen u. ſ. w.

Dieſe Freundes⸗Manier zu tröſten erweckte in Jo⸗ hanna bald genug einen flammenden Stolz, aber dieſer Stolz ſchloß keinen Hochmuth für ihre eigene Perſon in ſich, ſondern war bloß ein edles Zartgefühl gegen Rai⸗ mund's Gedächtniß. Das Mitleid, das ohne Zweifel in der beſten Abſicht ihren veränderten Umſtänden geſpen⸗ det wurde, ſchien ihr nicht ſelten die Form eines Tadels gegen den geliebten Dahingegangenen anzunehmen. Dieß konnte ſie nicht ertragen. Sie konnte ſich mit dem Ge⸗ danken nicht verſöhnen, daß ſie auf ſolche Art ſelbſt vor der Welt als ein lebendiger Vorwurf am Grabe ihres Mannes ſtehen ſollte. Immer lebhafter regte ſich in ihr der Wunſch, für immer dieſen Ort zu verlaſſen, wo ihre kurzen Stunden des Sonnenſcheines dahingeſchwun⸗ den waren. Der Gedanke reifte bald zum Entſchluß.

Sie nahm Abſchied von D., hing ihren ietzten Blumen⸗

kranz um Raimund's Grabkreuz und zog weit hinweg nach einer einſamen Berggegend. Hier kaufte ſie ein kleines, unanſehnliches Pachtgut, um allda fern von der