Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1862)
Entstehung
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einige Augenblicke mit den Gegenſtänden zu leben, die ihm hier ſo theuer geweſen.

Johanna, ſagte er ſchwach, aber mit vollem Be⸗ wußtſein,es iſt bald vorbei. Das Stundenglas hat nicht mehr viele Körner für meine Rechnung. Wo iſt Leopoldine? Nun ja, wecke ſie nicht, ſie hat vielleicht einen glücklichen Traum. Sage ihr einmal, wenn ſie es verſtehen kann, daß ſie einen Vater beſaß, der ſie ſehr, ſehr liebte. Erziehe ſie ſo, daß ſie Dir ſelbſt gleicht, und öffne ihre Seele früh für die Schön⸗ heit der Kunſt; dieſes Gefühl iſt das beſte, das man durch das Leben mit ſich nehmen kann. Und jetzt meine letzte Bitte, Johanna. Ich bin vom Schlafe ge⸗ ſtärkt; hilf mir von dieſem Bette auf; verſtehſt Du, Geliebte, ich muß mein Teſtament vollenden, bevor ich ſterbe.

Es war ihr unmöglich, ſich dieſem Begehren zu widerſetzen. Sie zog Raimund ſeinen Schlafrock an. Er richtete ſich ſelbſt auf, und nur von ihrem Arm ge⸗ ſtützt, wankte er an die Staffelei vor. Seine Kräfte belebten ſich jetzt auf eine übernatürliche Art: er ſtand feſt vor ſeiner Arbeit und betrachtete ſie mit Wohl⸗ gefallen. Man gab ihm Pinſel und Farben. Die ſo eben noch zitternde Hand erhielt jetzt eine erſtaunliche Sicherheit, und nach einigen wenigen Zügen ſtrahlte ein Blick von wunderbarer Schönheit aus den Augen der Madonna.

Man hat von Mozart's Requiem geſagt, daß ein ſolches Werk nur von einer ſterbenden Seele gedichtet werden könne. Man konnte auch von dieſer Madonna ſagen, daß ein Blick wie der ihrige nur von einem Menſchen gemalt werden konnte, der die Engel des Himmels bereits von Angeſicht zu Angeſicht ſchaute.

»Es iſt gut, rief Raimund, auf einen Stuhl niederſinkend, und der Pinſel entſiel ſeiner von Neuem erſchlaffenden Hand.Ich habe genug gelebt. Ich ſterbe zuſrieden Ziehe den Vorhang dort weg Siehſt