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bereits mit ausgeſtreckter Hand auf der Schwelle des Kranken.
Eines Nachts wachte Johanna allein mit einer alten Dienerin an ſeinem Lager. Es war eine ſchwere Nacht, und Gott weiß, wer von den beiden Gatten am meiſten litt. Gewaltſam ergriff der Tod, der Mann mit der Senſe, der Fürſt der Schmerzen, immer feſter ſein verurtheiltes Opfer, griff mit ſchonungsloſer Hand in den bereits erſchütterten Mechanismus des Lebens ein und zerriß Faden um Faden. Endlich lösten ſich die grauenhaften Schmerzen in einem heftigen Blutſturze auf. Alle materiellen Kräfte ſchienen zu verbluten. Das Leiden hörte auf, das Bewußtſein verſchwand. Der Sterbende verſank in einen tiefen und ſtillen Schlummer.
Mit unbeſchreiblicher Angſt neigte Johanna ihr Ohr gegen das Herz des Mannes und zählte bebend die un⸗ gleichen, kaum vernehmbaren Schläge. O welch ein Gefühl, ſo bei einem Sterbelager mit allen Sinnen, mit der ganzen Seele den Fußſtapfen des Todes zu folgen; ſeine liebſten Hoffnungen jeden Augenblick mehr mit den Kräften des Sterbenden hinſinken zu ſehen; Sekunde um Sekunde zu fürchten, daß das geliebte Herz vielleicht jetzt, juſt jetzt ſeinen letzten Schlag thue!
Es iſt ein ſehr häuſiger Fall, daß bei einem Ster⸗ benden in ſeinen letzten Augenblicken eine Erhöhung der Lebenskräfte ſich zeigt, die mit dem Aufflammen der Feuerkohle im Augenblick vor dem Erlöſchen verglichen worden iſt. Nachdem Raimund mehrere Stunden in einer todähnlichen Betäubung gelegen, ſchlug er ſeine Augen wieder auf, als die Morgenröthe ihre ſchöne Botſchaft über den Himmel ausbreitete. Sein Blick war klar, ja ſogar verklärt. Noch einmal, zum letzten Mal erglühte die Roſe des Lebens auf ſeinen abgezehr⸗ ten Wangen. Ein göttlicher Glanz ſchien ſeine Züge zu beſtrahlen. Es war, als hätte ſeine Seele ſchon einmal dieſe Welt verlaſſen, wäre aber zurückgekehrt, um noch


