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langen Verfall noch einmal erheben und die Menſchen werden begierig nach den reichen Genüſſen greifen, welche ſie bietet. Ich werde Glück machen. Der Kummer um unſer Auskommen iſt dann für immer vorbei. Unſere Mittel werden ſich vermehren und einer meiner ſchönſten Träume wird ſeiner Erfüllung ſich nähern, wir werden in's Land der Kunſt, nach Italien reiſen. In dem alten Rom, der Wiege ſo manchen Genies, der beſten Heimath aller Künſtler, dort werden auch wir endlich anlangen, Johanna. Raphael's Geiſt ſchwebt noch über dieſer Stavt. Dort erſt wird der Funke in meiner Seele zur vollen Flamme ausſchlagen, dort werde ich Werke ſchaffen, welche die Mitwelt und die Nachwelt befriedigen ſollen. Aber wenn Ehre und Ruhm mich erwarten, ſo werde ich doch immer an Deiner Bruſt, Du Holde, meine ileblichſte Ruhe finden. Und unſer kleines Mädchen, unſere Leopoldine, wie glücklich wird es für ſie ſein, auf dieſem klaſſiſchen Boden aufwachſen zu dürfen! Um⸗ geben von all dieſer Größe, die ſowohl in der Eriunerung als in der Gegenwart dort lebt, wird ſie ſich früh ge⸗ wöhnen, mit hochſinnigen Gedanken umzugehen, und die Sonne des Südens wird die Roſen auf ihren Wangen und die Gefühle in ihrem Herzen friſcher machen, als ſie unter dem trüben Himmel des Nordens wachſen.“ Raimund ſprach mit Begeiſterung, und Johanug, die ihren Kopf an ſeine Bruſt gelehnt hielt, lauſchte mit inniger Freude den ſtarken Schlägen ſeines Herzens. „Lieber Mann,“ antwortete ſie, Du malſt eine ſo lockende Zukunft, daß auch ich, obſchon ich mit dem, was ich jetzt ſchon beſitze, ſo zufrieden bin, eine Sehn⸗ ſucht nach dem Eldorado empfinde, das Du prophezeiſt.“ Sobald es ſich thun ließ, begann Raimund auf ſein neues Ziel loszuarbeiten. Die Portraits, die er bereits unter dem Kolorit hatte, wurden ſchnell vollendet und einige weitere Beſtellungen nicht angenommen: die Fabrik wurde geſchloſſen, wie er ſich ſelbſt ausdrückte. Ein


