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die Veredlung ſchenken, die nur ein feinfühlendes Weiber⸗ herz zu geben vermag.“
„Nun denn, hinweg alſo mit all dem traurigen Verzagen! Das Weib iſt gar oft nur ein gedankenloſes Weſen, aber mit ihren Ahnungen durchdringt ſie manch⸗ mal den Schleier der Zukunft ebenſo kühn wie der Mann mit ſeinem Scharfſinn. Wenn wir die verfloſſenen Jahre unſerer Ehe recht genau in's Auge faſſen, ſo waren ſie ein ſchönes Blumenbeet; aber wir ſind ſehr kindiſch geweſen, Raimund, ſehr kindiſch. Wir haben mit einan⸗ der und mit der ganzen Welt geſpielt. Laß uns jetzt ein ernſteres Leben beginnen. Zweifle nicht an Deinen Kräften, an Deinem Talent. Du wirſt es in Deiner Kunſt weit bringen, und der Name Leopold Raimund wird vielleicht dereinſt neben den großen unſterblichen Meiſtern genannt werden.“
„Dank für dieſe Prophezeiung, Johanna! Ich bin gewöhnt, von Deinen Lippen Himmelsbotſchaft zu hören. Der Anfang wird das Schwerſte ſein. Ehe ich mir in dem neuen Genre, das ich zu wählen gedenke, ein Anſehen verſchaffen kann, werden Neid und Kleinlich⸗ keitsgeiſt ihr Schlimmſtes thun, um mich zu ſtürzen. Die Kunſtgeſchichte, wenn man ſie recht ſtudirt, iſt reich an ſolchen Erzählungen von ſolchen Ungerechtigkeiten; ſie lehrt uns aber auch, daß das wahre Talent immer, wenn auch ſpät, ſiegreich aus dem Kampf hervorgegan⸗ gen iſt. Ich weiß nicht, ob ich wirklich die Göttergabe beſitze, die man Genie nennt; aber ich hege ein bren⸗
nendes Verlangen, meine Kraft zu prüfen, und mit⸗
unter— doch es iſt vielleicht bloß eine trügeriſche Phan⸗ taſie— fühle ich bei mir ſelbſt, daß ich zu etwas Großem fähig ſein könnte. Ach, laß uns glauben, daß es ſo iſt. Man wird dann bald genug meinen Werth erkennen; meine Gemälde— ich ſehe ſie bereits fertig in den Gallerien meiner Träume hängen— werden dann bewundert und geſucht werden. Die alte gute Zeit wird wieder einkehren. Die Malerkunſt wird ſich nach einem


