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würdigere Gegenſtände ein. Nur etwas beunruhigt mich noch. Ich habe bisher mein hübſches Auskommen ge⸗ habt. Man bezahlt mich gut. Die Menſchen ſind vor allen Dingen eigenliebig und ſehen nicht ſo genau auf ein paar Batzen, wenn ſie ſich ſelbſt kaufen wollen. Etwas ganz Anderes iſt es, wenn man ihnen ein Ge⸗ mälde anbietet, das wirklich einigen Kunſtwerth beſitzt, und das Geſchlecht der Märene iſt ſchon längſt beinahe ganz ausgeſtorben. Vielleicht werde ich auf dem neuen Feid, das ich zu betreten gedenke, mancher ökonomiſchen Bedrängniß entgegengehen, und wer weiß, am Ende kann vielleicht gar Armuth und Noth unſer Loos werden. Ich bin nicht bloß Künſtier, ich bin auch Gatte und Vater. Deßhalb habe ich ſo lange gewankt, ehe ich zu meinem Entſchluß kommen konnte. Vielleicht ſollte ich das Verlangen nach einer ſchöneren, größeren Wirkſam⸗ keit, das meinen Frieden ſchon lange geſtört hat, gänz⸗ lich unterdrücken. Vielleicht wäre es meine traurige Pflicht, dieſe Träume, dieſe Ideen von künftigen Meiſter⸗ werken, die jetzt meine Seele beſtürmen, mir gänzlich aus dem Sinne zu ſchlagen.. Rathe mir, Johanna, ſprich, iſt Dir bange vor der Armuth?“
„Ich fürchte gar nichts, außer daß ich Dich oder unſer Kind verlieren könnte. Was macht es auch, ob wir uns ein wenig einſchrä.iken müſſen, wenn nur Du wieder zufrieden wirſt wie früher. Obſchon ich bei Dir im Ueberfluß verwöhnt worden bin, ſo ſollſt Du doch ſehen, daß ich ganz gut auch eine ſparſame Hausfrau werden kann. Ja, Raimund, lieber will ich mir die härteſten Entſagungen auferlegen, als daß ich der Entwicklung Deiner höheren Anlagen im Wege ſtehen möchte.“
WVortreffliches Weib, ich wußte, daß ich von Dir eine ſolche Antwort zu erwarten hatte. Du wirſt in der Stunde der Mühe und Befümmerniß, wenn ſie ſich unſerem ſtillen Herd nahen ſollte, meinen Muth aufrecht erhalten. Noch mehr, Du wirſt meinen Eingebungen


