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die Länge ſo bleiben könnte. Sieh Dich rings um und Du wirſt finden, wie Schmerz und Sorgen überall Thränen in jede Frende miſchen und jedes Glück trüben. Warum ſollteſt Du allein dieſer harten Prüfung ent⸗ gehen? Haſt Du etwa mehr Verdienſt, beſitzeſt Du mehr Tugenden, als die Maſſe Deiner Mitmenſchen? Ach nein, ſicherlich erwartet auch Dich irgend ein harter Schlag, irgend ein bitterer Kelch. Sei nicht unvor⸗ bereitet darauf. Befreunde Dich bei Zeit mit dem Ge⸗ Gedanken an trübere Tage. Mache Dich fertig, ein Trauerkleid für Dein Herz zu machen, Du wirſt ſeiner vielleicht bald bedürfen.
Aber in dieſem Augenblick ſtand Raimund vor ihr. Er ſchaute jetzt ganz anders d'rein als vorhin. Das Gemüth des Künſtlers hatte ſeine Elaſticität wieder ge⸗ wonnen. Ein Freudeſtrahl leuchtete in ſeinen Blicken.
„Ich bin Dir ein Räthſel geweſen, Johanna,“ ſagte er;„verzeih mir, denn ich habe einige Zeit mich ſelbſt nicht verſtanden, Jetzt iſt es endlich wieder klar in mir. Ich weiß, was ich will, und habe meinen Entſchluß gefaßt.“
„Gott ſei Dank, Du biſt Dir wieder gleich; ich erkenne Dich wieder.“ »Siehſt Du, es iſt eine ſchreckliche Qual, Gering⸗ ſchätzung gegen ſein eigenes Handwerk zu empfinden, und daran habe ich gelitten. Jetzt glaube ich den Werth der Kunſt beſſer als je zu verſtehen. Ich bin ſtolz dar⸗ auf, in meinem Innern zu fühlen, daß ich als Maler geboren bin, aber ich habe mich im Genre getäuſcht; Portraitmaler zu ſein, das iſt doch etwas gar zu Elen⸗ des. Man iſt da nicht mehr als ein ſimpler Kopf und beſitzt nicht einmal die Freiheit, ſeine Modelle ſelbſt zu wählen. Der Portraitmaler iſt in der Kunſt, was der Ueberſetzer in der Literatur iſt, und welcher himmelweite Unterſchied beſteht nicht zwiſchen ihm und den Dichter? Allerdings ſind die Portraite vielleicht die einzigen Kunſt⸗ erzeugniſſe, die in unſeren Tagen ihren Lohn finden.


