„
3
ſich ſchöne Statuen. Die Möbel waren zierlich, ob⸗ ſchon einfach. Immer dufteten friſche Blumen in den Vaſen, und ganz nahe bei der Staffelei des Malers ſtand Johanna's(ſeiner Frau) Nähtiſchchen.
Hier mußte man das junge Paar ſehen, um ihr Glück recht zu verſtehen; ſie ſelbſt verſtanden es beſſer, als dieß gewöhnlich der Fall iſt, und juſt darum bilde⸗ ten ſie eine Ausnahme von den gewöhnlichen Menſchen, weil ſie mit vollkommenem Bewußtſein ihre Seligkeit genoſſen. Die meiſten Leute ſieht man die Roſen, die auf ihrem Wege wachſen, nur zertreten, ohne ſich an ihrer Farbe und ihrem Dufte zu erfreueu. Nach einem der Arbeit gewidmeten Tage empfingen Raimund und Johanna gerne Abends den Beſuch einiger Freunde. Ein ſröhlicher und lebhafter Ton herrſchte dann immer in ihrem Kreiſe vor. Raimund verband eine heitere Ge⸗ ſprächigkeit mit jenem warmen Gefühl für alles Schöne in Kunſt und Natur, in Worten und in Handlungen, das der Unterhaltung einen poetiſchen Schwung verleiht. Johanna hatte Talent für Muſik, und ihr ſchöner Ge⸗ ſang bereitete ihren Gäſten manche angenehme Stunde. Ueberdieß ſoll die Kunſt, für Andere liebenswürdig zu er⸗ ſcheinen, weit leichter ſein, wenn man ſich ſelbſt ver⸗ gnügt fühlt. Ein recht lebendiges Lächeln iſt ſo verfüh⸗
reriſch, und ein Menſch, der wit ſeiner Welt zufrieden iſt,
verbreitet um ſich her einen bezaubernden Sonnenſchein, der zuweilen den eingefleiſchten Kummer ſelbſt ſo an⸗ genehm täuſcht, daß er ſich vergißt. Dieß iſt der Triumph des Glückes.
Zwei Jahre nach der Hochzeit ſchenkte Johanna ihrem Mann eine Tochter. Dieſes Kind wurde die Vollendung der häuslichen Seligkeit, eine neue Quelle der lieblichſten Freuden. Die junge Mutter dünkte ſich durch ihre neuen Pflichten zu einer höheren Würde empor⸗ gehoben, und der Vater ſeinerſeits konnte ein Gefühl des Stolzes nicht verhalten, wenn ihm mitunter, was nicht oft geſchah, das Geſchäft Zuethtt die


