Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Der Großfürst ; 1. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

Jahre weniger gegeben haben. Der Großfürſt Paul war weder jung noch alt, Beides ſchien ihm ſei⸗ ner ganzen Natur nach und durch alle Eigenſchaften ſeines Weſens durchaus unmöglich gemacht zu ſein. Seine kleine, zuſammengeſchrumpfte, widerwärtige Geſtalt, die kalmückiſche und negerhafte Häßlichkeit ſeines Geſichts, der ganze ſeltſame, faſt Abſcheu er⸗ regende Ausdruck ſeiner Perſönlichkeit ſchienen keinem Alter unterworfen ſein zu können. Paul hatte niemals jung ausgeſehen, und man konnte ſich ihn ebenſowenig alt denken. Tiefe, unſauber ſcheinende Runzeln hatten ſchon ſeit früher Kindheit das Antlitz Paul's bedeckt. Und doch lag auch über dieſes eigenthümlich verzerrte Geſicht ein gewiſſer Zug ausgebreitet, der anziehen, feſſeln und mit einer ungewöhnlichen Theilnahme für dieſen jungen Prinzen erfüllen konnte.

Der kleine, ſchmale, gerade in die Höhe gehende Kopf, der zunächſt einen ängſtlichen und peinlichen Eindruck machen konnte, hatte zugleich etwas ſeltſam Rührendes, und man konnte dies Antlitz nicht ohne Betroffenheit und Bewegung anſehen. Das feingeſchnit⸗ tene, geradaus blickende Auge ſchaute bekümmert und forſchend in die Ferne und ſchien das Verſtändniß einer dunkeln und zweifelhaften Zukunft mühſam zu

6