6—— 5 denn ſie war ſeit Tagesanbruch wach— außerdem aber ſehr ruhig und thränenlos— den einſamen Perron auf⸗ und abſchreitend, während unſere beiden langen Schatten in der frühen Morgenſonne neben einander vor uns herglitten. Und ich ſehe ſie noch, wie ſie bis zum letzten Augenblicke mit der Hand an der Wagenthür da ſtand und lächelte. „Grüße Doctor Urquhart— ſage ihm, daß ich das beſte Zutrauen zu ihm habe. Und, Kind,“ ſetzte ſie hinzu, indem ſie ſich noch einmal mit ihrem „praktiſchen“ Blicke, den ich ſo gut kannte, zu mir herum drehete,„vergiß nicht, daß ich„Miß John⸗ ſton“ auf Deine Koffer geſchrieben habe. Später mußt Du den Namen ändern. Lebe wohl— ach, Unſinn! es iſt noch kein wirklicher Abſchied.“ Und doch war er es. Auf wie viele, viele
Jahre? In jener dunkeln, düſtern Londoner Kirche, die durch Gewitterſchwüle noch dunkler und ſtiller gemacht ward, ſah ich meinen theuern Max zum erſten Male wieder.
Miſtreß Ansdell ſagte— damit ich nicht über ihn erſchrecken ſollte— nur mein Anblick, das Wiederſehen habe ihn ſo angegriffen, außerdem ginge es ſchon viel beſſer mit ihm, und als er mich daher nach den erſten wenigen Minuten fragte, ob ich ihn


