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allen thörigten Gedanken! Hinweg mit jeder falſchen Scham! Die wenigen Thränen, welche meine Wange feuchteten, als der Brief fort war, waren die einzigen dieſer Art, die ich jemals vergoſſen— die Max mich jemals vergießen laſſen wird. Max liebt mich!
Nachdem dies abgemacht und geordnet war, galt es zunächſt, zu überlegen, wie die Sache ohne allen Verzug in's Werk geſetzt werden könne. Mit dem Briefe von Max zugleich bekam ich nämlich einen von ſeiner guten Freundin, Miſtreß Ansdell in London, bei welcher er gegenwärtig wohnt. Ihr Sohn iſt ſeinen beiden Schweſtern nachgefolgt— ſie litten alle an derſelben Krankheit— ſo daß ſie jetzt als arme kinderloſe Witwe daſteht.
Sie war meinem lieben Max ſehr gewogen und deßhalb in Bezug auf ihn ſehr ſcharfblickend. Demgemäß ſchrieb ſie mir auch in zartfühlender, aber hinreichend deutlicher Weiſe— mir, die ſie, wie ſie ſagte, ſeinem Wunſche gemäß, für den Ein⸗ tritt einer plötzlichen Calamität beauftragt war, als ſeine theuerſte Freundin rufen zu laſſen.
Mein theurer Mar! Jetzt lächeln wir über jene wehmüthigen Befürchtungen; wir glauben, daß wir Beide ein hohes Alter erreichen werden. Hätte ich aber auch gewußt, daß wir blos ein Jahr⸗ einen Monat, eine Woche vermählt ſein würden—


