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das Ende ſelbſt ſeinem muthigen Herzen die Stand⸗ haftigkeit untreu ward.
Er brach gänzlich zuſammen. Außerdem würde er mir nimmermehr geſchrieben haben, wie er ſchrieb, denn er ſagte mir Lebewohl.
Anfangs war ich erſchrocken und entſetzt, dann legte ich den Brief nieder und lächelte— es war natürlich ein ſehr trauriges Lächeln, aber dennoch ein Lächeln. Der Gedanke, daß Max und ich ſchei⸗ den, oder daß wir unter irgend welchen menſchlichen Umſtänden wünſchey könnten, es zu thun, ſchien eins jener abſolut unmöglichen Dinge, über welche man ſich gar nicht die Mühe nimmt zu ſtrei⸗ ten, weder mit ſich ſelbſt, noch mit Jemandem anders. Daß wir einander liebten und uns deßhalb wahr⸗ ſcheinlich ſpäter einmal heiratheten, jedenfalls aber einander angehörten bis zum Tode, dies waren eben ſo einfache, natürliche und unveränderliche That⸗ ſachen, als daß die Sonne am ſtand, oder daß das Gras grün war.
Noch denſelben Abend ſchrieb ich zurück an Max.
Nicht als ob ich es aus Uebereilung oder dem Impulſe eines plötzlichen Gefühls folgend gethan. Ich brauchte viele Stunden, um zu überlegen, ſowohl was ich ſagen, als auch in welche Form ich es kleiden
ſollte. Ebenſo wußte ich auch nicht beſtimmt, ob


