„Nun, warum weinteſt Du dann?“ Ja, warum? Aber was konnte ich anderes ſagen als die Wahrheit? Daß es nämlich nicht Thränen des Schmerzes geweſen, ſondern darüber, daß Du ſo gut biſt und daß ich ſo ſtolz auf Dich bin. Ich dachte nicht daran, was für Pfeile dieſe Worte für das Herz meiner Schweſter ſein mußten. Kein Wunder daher, daß ſie ſprach wie ſie that— wild, zornig und doch mit einer gewiſſen Feier⸗ lichkeit.
„Dora Johnſton, Du wirſt ernten, was Du ſäeſt, und ich werde Dich nicht bemitleiden. Richte Dir nur ein Götzenbild auf, Gott wird es ſchon zerſchmettern. Du ſollſt keine Götter haben neben mir! Bedenke, wer dies ſagt, und zittere!“
Ich würde gezittert haben, Max, wenn ich dies nicht bedacht hätte. Ich ſagte zu meiner Schweſter in ſo ſanftem Tone als mir möglich war, ich machte mir keine Götzen; ich kennte alle Deine Fehler und Du die meinigen, und wir liebten einander trotz der⸗ ſelben, aber wir beteten nicht einander an— ſon⸗ dern nur Gott. Wenn es ſein Wille wäre, daß wir ſcheiden ſollten, ſo glaubte ich, wir könnten ſcheiden und—
Hier konnte ich vor Thränen nicht weiter ſprechen.


