— 174—
wäre, ſondern weil ich nach dem Anblicke Deiner Handſchrift ſchmachte, ſo wie nach einer Verſicherung von Dir ſelbſt, daß Dir Deine Geſundheit nicht untreu wird— die einzige Untreue, die ich von Dir fürchte.
Ich beantworte nun zunächſt eine Stelle in Deinem Briefe, die ich bis jetzt unberührt gelaſſen, denn es gab außerdem ja ſo Vieles, worüber ich an Dich zu ſchreiben hatte— die Stelle in Betreff der Freunde, die von Freunden ſcheiden.—
Anfangs deutete ich dieſelbe ſo, daß Du in Deiner Riedergeſchlagenheit und Hoffnungsloſigkeit
wünſchteſt, ich möchte wieder auf meine frühere
Stufe hinabſteigen und blos Dein Freund ſein. Es war damals nicht Zeit, über dieſen Punkt zu ſtreiten; auch würde dies nach der einen wie nach der andern Seite hin keinen Unterſchied in meinen Briefen gemacht haben— jetzt laß mich zwei Worte hierüber ſagen. Mein Kind, wenn ein Mann ein Weib liebt, ehe er verſucht ſie zu gewinnen, ſo wird er, wenn er ohne Selbſtſucht liebt, in Bezug auf ſie ſowohl als auf ſich manchen Zweifel hegen. In der That, wie ich einmal irgendwo las:„Wenn ein Mann ein Weib wahrhaftig liebt, ſo wird er ſie unter keiner Bedingung heirathen wollen, wenn er nicht


