—
— 162—
Papa lag einige Zeit in tiefem Rachdenken da, endlich ſagte er:
„Liebe Dora, Du biſt kein Kind mehr, und ich kann offen mit Dir ſprechen. Ich bin ein alter Mann, und Deine Mutter iſt todt. Ich wollte, ſie wäre jetzt bei uns; ſie könnte uns helfen, denn ſie war eine gute Frau, Dora. Glaubſt Du— nimm Dir Zeit, die Frage zu überlegen— daß Deine Schweſter recht handelt?“
Ich ſagte:„Ja wohl, ganz recht.“
„Und doch glaubte ich, Du huldigteſt dem Aus⸗ ſpruche:„Je größer der Sünder, deſto größer der Heilige“, und glaubteſt, jedes Verbrechen, das der Menſch begangen, könne bereu't, geſühnt und ver⸗ ziehen werden?“
„Ja, Vater, aber Francis hat weder bereu't, noch geſühnt.“
Das hat er auch wirklich nicht gethan, und deßhalb bin ich überzeugt, daß meine Sihe Recht hat— ſelbſt abgeſehen von der zweiten That⸗ ſache, daß die Entdeckung ſeines jahrelangen Betrugs ihre Liebe ſo vernichtet und wie durch einen Blitz⸗ ſtrahl ſo vollkommen ausgerottet haben muß, daß, ſelbſt wenn ſie ihn bemitleidete, ſie doch ihn auch zugleich verachten muß. Und denke Dir, ſeinen Gatten verachten zu müſſen!


