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Und deßhalb klammerte ich mich an dieſen Freund an, weil ich inmitten der Verſtellung und Falſchheit, die mich umgab und ſogar in mir ſelbſt lebte, in ihm ſtets die muthig geſtandene und furcht⸗ los ausgeſprochene Wahrheit fand.
Warum ſollte er mir nicht auch jetzt beiſtehen?
Schüchtern fragte ich ihn, ob er mir zürne?
„Nicht Zorn empfinde ich über Sie, wohl aber Kummer. Sie ahnen nicht, wie tief.“
Weil ich dem Tode entgegen ging, o weil ich gottloſer Weiſe zu ſterben wünſchte! Ich wußte es nicht; daß er aber gewaltig ergriffen war, gewaltiger als er mich ſehen laſſen wollte, das ſah, ich, und es nahm mir den Stein vom Herzen.
„Ich weiß, daß ich ſehr gottlos geweſen bin. Wenn Jemand mich tüchtig ausſchelten wollte— wenn ich nur Jemandem ſagen könnte—“
„Nun, warum können Sie es nicht mir ſagen?“
Und ich erzählte ihm nun, ſo genau ich konnte, alle die ſchwarzen Gedanken, welche mich an dieſem Tage beunruhigt; ich legte alle meine Laſt auf ihn; ich geſtand ihm alle meine Sünden, und als ich nicht ohne Aufregung geendet hatte— denn ich hatte niemals zuvor mit irgend einem Weſen ſo offen über mich ſelbſt geſprochen,— redete Doctor Ur⸗ quhart mit mir lange und ſanft über die Dinge,


