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An einem klaren, blauen Sommermorgen, da die Sonne mit blendendem Glanze die weißen Marmor⸗ platten in Kenſal⸗Green beſtrahlte, beerdigte ſie ihn dort, ſie die einzige Leidtragende bei dem Begräbniß. Der Prediger las die herkömmlichen Gebete, ſprach den Segen und ging dann eilig fort. In einigen Minuten war
Alles beendet. Nachdem die Leichenträger ſich auch ent⸗
fernt hatten, ſetzte ſie ſich auf eine nahſtehende Bank, dem Todtengräber bei Zuſchüttung der Gruft zuſehend— der Gruft, die ihren Tom barg. Eliſabeth war ſehr ruhig, und nur ein ſcharfer Beobachter würde aus ihrem Ant⸗ litz doch die Wahrheit geleſen haben, welche die aufge⸗ regten Charaktere, die ſich ſtets nur in Extremen, entweder in Luſtigkeit oder Elend ergehen, nie zu verſtehen im Stande ſind— die Wahrheit:„daß ſtille Waſſer tief ſind.“
Als ſie dort ſaß, ging Jemand ſchnell an ihr vor⸗ über und ſchaute ſich fragend um. Es war der junge Mann, welcher bei der Leichenſchau ſein ärztliches Gut⸗ achten abgegeben und dadurch verhindert hatte, daß Eliſa⸗ beth noch verhört wurde.
Sie erhob ſich und begrüßte ihn mit einer achtungs⸗ vollen Verbeugung; denn trotz ſeines armſeligen, abge⸗ nutzten Rockes ſah man auf den erſten Blick, daß er ein Gentleman ſei, und er war gegen Tom ſo freundlich geweſen.
„Ich komme leider zu ſpät, das Begräbniß iſt vor⸗ über“, ſagte er ſich zu ihr wendend.„Es war meine Abſicht, dabei zu ſein und den armen Menſchen zu ſeiner letzten Ruheſtätte zu begleiten.“
Herrin und Dienerin. II. 17


