neulich:«die Noth lehre Vieles und befreie den Men⸗ ſchen von mancher Thorheit.“ Ich glaube, er hat Recht, und wenn ich jemals wieder geſund werde, ſo will ich auch nicht mehr durch das Land reiſen und gegen die Hochgeborenen predigen. Sie ſind im Ganzen nicht ſchlechter als wir— unter ihnen giebt es auch Gute und Böſe, wie bei uns, ſie ſind vom ſelbigen Fleiſch und Blut, wie wir. Nicht wahr, Eliſabeth?“
„Das meine ich auch.“
„Und dann will ich noch etwas Anderes thun; ich will verſuchen, ſo gut wie Du zu werden. Wie manche Nacht, wenn ich auf meinem Strohbündel wach lag und zu ſterben glaubte, dachte ich an Dich und an Alles, was Du damals zu mir ſagteſt. Du biſt eine brave, gute Frau, Eliſabeth, eine beſſere gab es nie.“
Ein wehmüthiges Lächeln glitt über ihr Geſicht, und als ſie beim Waſchen des Theegeſchirrs nach ihm hin⸗ blickte, ſah ſie wie ſein Antlitz immer bleicher und ein⸗ gefallener wurde, wobei ſeine Stimme zum Flüſtern herabſank.
„Ich bin recht müde, aber ich fürchte mich ſo ſehr vor dem Bett— die Nächte ſind zu ſchrecklich. Viel⸗ leicht ſchliefe ich, wenn ich mich mit den Kleidern nieder⸗ legte.“
Eliſabeth führte ihn zu dem weichen, ſauberen Bett, ſchüttelte die Kiſſen auf und deckte ihn ſorglich zu, als wenn er ein Kind geweſen wäre.
„Wie gut Du gegen mich biſt“, ſagte er ſie an⸗ ſchauend— das war Tom's ſtrahlender, innigliebender
Blick aus früheren Zeiten, doch das Leuchten ſeiner


