Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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nichtachtend die Braut ſich benahm, und wie ihr Ver⸗ lobter ſo ganz gewöhnlich ausſah, den Stempel jener geiſtigen Niedrigkeit und Armuth tragend, der gerade durch feine, gewählte Kleidung noch mehr hervortritt. Und dabei dachte Hilary o, mit welcher Wonne! an jene kräftige Mannesgeſtalt mit dem biederen Ant⸗ litz, an jenes treue, unverdorbene Herz, das, ſie war ſicher, nie eine Frau außer ihr geliebt hatte, an jene warme, feſte Hand, die ſich ihretwegen mühſelig den Weg durchs Leben bahnte und nicht eher die ihrige for⸗ dern wollte, bis es frei und offen geſchehen konnte, um der Geliebten Alles zu bieten, was ſie ſich erworben. Nein, ſie würde Robert Lyon mit ſeiner Armuth, ſeinen unſicheren, traurigen Ausſichten, denen vielleicht nie ein beſſeres Ziel winkte, nicht für denreichſten Bräutigam unter der Sonne vertauſcht haben.

Unter dieſer Sonne der alltäglichen Sonne, welche Jahr aus Jahr ein die ganze Welt und alſo auch Lon⸗ don beſtrahlte, ging Hilary jetzt ſo muthig und heiter dahin, als ob ſie gar keine Kümmerniſſe drückten, als ob kein peinliches Zuſammentreffen mit Askott ihrer harrte, kein ſchwerer, demüthigender Gang vor ihr lag, vor dem alles weibliche Gefühl ihrer Natur mit Schau⸗ der zurückbebte.

Robert, mein Robert! flüſterte ſie innig, und plötzlich fühlte ſie ſich ihm ſo nahe, daß ſie vollkommen ruhig ward.

Möglicher Weiſe werden ſehr kluge, vornehme oder glückliche Perſonen, welche ſich herablaſſen dieſe Ge⸗ ſchichte zu leſen, ſie mit geringſchätzenden Blicken be⸗

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