Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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Obwohl die älteſte Schweſter blaß ausſah, ſo war ſie doch weder aufgeregt noch ängſtlich; da ſie gehört, Hilary ſei unten, hatte ſie ſich ſchnell angekleidet, um durch ihr Fortbleiben ihr Kind nicht zu erſchrecken. Und als ſie nun ihren Liebling ans Herz zog und die friſche Wange mit jenen mütterlich zärtlichen Küſſen bedeckte, den ſüßeſten, welche Hilary bis jetzt kennen gelernt, da ſchwand die nagende, bittere Seelenpein aus des armen Mädchens Bruſt.

O, Johanna, ich kann Alles tragen, ſo lange ich Dich habe!

Und dann theilte ſie ihr in der ſtillſten, einfachſten Weiſe das Leid mit, welches Askott über ſie gebracht hatte.

Nachdem es nun kein Geheimniß war, ſchien es nicht mehr halb ſo entſetzlich, und die Kunde traf Johanna weniger niederſchmetternd als Hilary und Eliſabeth ge⸗ fürchtet. Sie vernahm ſie mit großer Faſſung, man hätte glauben mögen, ſie habe ſchon darum gewußt, wenn ſie es nicht entſchieden abgeleugnet.

Du hätteſt Dich nicht ſo zu ängſtigen brauchen, um mir das Ganze zu verſchweigen, obgleich es ſehr gütig und vorſorglich gehandelt war. Du haſt unſert⸗ wegen ſchon manches Schwere durchgemacht, mein armes Mädchen.

Eliſabeth ſchluchzte leiſe, nahm ſich jedoch bald zu⸗ ſammen.

Nein, nein, ſei ruhig, Du kannſt mir das Fehlende ein anderes Mal erzählen, ſagte Johanna ſehr lieb⸗ reich, denn die ungewöhnlich tiefe Bewegung ihrer Die⸗