279 ſein. Ich ſprach noch heute Fräulein Hilary, und ſie wußte nichts.“
Eliſabeth zagte vor dem forſchenden Blick dieſer durchdringenden Augen.
„Da ſcheint mir mehr verborgen, als Ihr mir ſagt, Jungfer. Iſt Eure Gebieterin wirklich ſo gefährlich krank, daß Ihr deshalb zur Schweſter ſchickt?“
Rein
„Nun was iſt dann der Grund? Sprecht offen, ich haſſe alle Heimlichkeiten.“
Es war keine kleine Prüfung für Eliſabeth, aber ſie blieb ſtandhaft.
„Verzeihen Sie, Madame, doch ich glaube, meine Herrin würde es nicht gern ſehen, wenn ich darüber ſpräche, und ſo darf ich auch Ihnen nichts verrathen.“
Nun war dem ehrlichen, offenen Gemüth der Schottin nichts mehr zuwider als Heimlichthun und Ver⸗ ſtecktheiten, aber dennoch erkannte ſie jedem Menſchen das Recht zu, ein Geheimniß zu bewahren, wenn ſolches ihm anvertraut war. Sie ließ ihre Augen ſcharf und for⸗ ſchend auf dem Geſichte des Mädchens weilen, und von dieſer Prüfung anſcheinend befriedigt, ſagte ſie eher freundlich:
„Ihr habt Recht, Kind, der Herrſchaft Geheimniſſe müſſen die Dienſtboten immer bewahren. Nun erklärt mir nur, was Ihr wünſcht. Soll ich einen Wagen nehmen und Fräulein Hilary gleich ſelbſt holen?“
Eliſabeth dankte, meinte aber, das ſcheine ihr nicht nöthig; es wäre gewiß am beſten, wenn der Brief mor⸗ gen ganz früh nach Kenſington geſchickt würde, dann


