um ſie zu legen, wenn ſie ihn nicht heirathen wolle; und daß eine Ehe aus einer andern Urſache als reiner, inniger Liebe, daß ſie um des Geldes oder ſonſtiger Vortheile willen geſchloſſen werden könne, dies war nach Eliſabeth's Begriffen unmöglich. Dieſe Anſicht, dieſer Glaube paßt nicht mehr recht für unſere moderne Zeit und exiſtirt vielleicht nur noch in ganz verſteckten Winkeln der Erde, oder in einigen ſeltenen Ausnahmsfällen— aber Gott ſei Dank, daß er überhaupt noch vorhanden iſt. Hilary beſaß ihn und von ihr war er auf Eliſa⸗ beth übergegangen.
„Ich möchte wiſſen, ob Fräulein Hilary um die Sache weiß, und was ſie dazu ſagen würde?“
Dies ſtand unabläſſig vor des Mädchens Sinn, und damit erſtieg die große Gewiſſensfrage, ob ſie es mit⸗ theilen oder verſchweigen ſolle.
Es gehörte zu Hilary's Lehrſätzen, ſowohl für die Küche als das Wohnzimmer anwendbar— vielleicht für die erſtere noch paſſender, weil dort die Angelegenheiten der Herrſchaft oft ſo rückſichtslos beſprochen werden— daß ein durch Zufall entdecktes Geheimniß ebenſo heilig gehalten werden ſolle, als ſei es gegen ein feierliches Verſprechen der Verſchwiegenheit anvertraut, auch daß das Geheimniß eines Feindes noch weniger verrathen werden dürfe, als das des beſten Freundes.
„Fräulein Selina iſt zwar nicht mein Feind“, ſprach Eliſabeth leiſe vor ſich hin lächelnd,„aber ſo ſehr lieb habe ich ſie nicht; und ſo möchte ich gerade nichts thun, ſie zu reizen oder zu ärgern. Jedenfalls will ich für's Erſte ſchweigen.“


