23
Sie müſſen ſehr fleißig gearbeitet haben, und zwei von ihnen ſind ſo zart und klein“— ſetzte ſie faſt bedauernd hinzu.
Noch eine Weile ſtand Eliſabeth ſinnend da, denn ſich niederzuſetzen, ſchien für ſie etwas ebenſo Neues und Fremdes, als nachzudenken; dann aber ging ſie nach den oberen Zimmern, um, wie ihr geheißen, bei Einbruch der Nacht Fenſter und Läden zu ſchließen. Die Schlaf⸗ ſtuben waren klein und unzureichend, nein, kümmerlich möblirt, aber die Dielen zeigten nicht den geringſten Fleck(arme Johanna!) und die Laken und Decken der Betten waren, wenn auch geſtopft und geflickt, doch ſauber und blendend weiß. Die höchſte Ordnung und Reinlichkeit leuchtete dem Auge aus jeder Ecke entgegen. Es war kein Verſuch gemacht worden, die Armuth ma⸗ leriſch erſcheinen zu laſſen, denn was auch die Dichter ſagen mögen, Armuth kann nicht maleriſch ſein, aber es war bei der großen Dürftigkeit doch Alles anſtändig. Die ganze Einrichtung des Hauſes machte, trotz ihrer Einfachheit, den Eindruck, daß ſeine Bewohner„Damen“ waren, Damen, die keine Art der Arbeit als ihrer un⸗ würdig betrachteten, und die, was ihnen zu thun obleg, ſo gut wie möglich verrichteten.
Frau Hand's harterzogene Tochter war niemals früher in ein ſolches Haus gekommen, und ihr Prüfen jedes Raumes und Eckchens ward eine Aufrichtung und Ermunterung für ſie. Ihr eigenes kleines Schlaf⸗ kämmerchen war gerade ſo ordentlich und comfortable wie ſie die Stuben ihrer Herrinnen gefunden, ein Umſtand,


