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Erziehung vernachläſſigt worden, bis Herr Lyon, der als Lehrer an der lateiniſchen Schule in Stowbury an⸗ geſtellt wurde, ein gewiſſes Intereſſe für den Knaben faßte, und ihn und ſeine Tante Hilary in den Abend⸗ ſtunden im Lateiniſchen, Griechiſchen und der Mathematik unterrichtete.
Ich will kein Geheimniß aus einem hieraus folgenden Ergebniß machen. Die menſchliche Natur bleibt ſich über die ganze Erde hin gleich. Eine Geſchichte ohne Liebe würde unnatürlich, unreal, ja geradezu eine Lüge ſein. Es gibt kein Leben ohne Liebe, wie könnte eine Schilderung deſſelben frei davon ſein? Wenn es wirk⸗
lich ſolche licht⸗ und freudloſen Exiſtenzen gäbe, ſo möge
man ſie bemitleiden und Gott wolle ihnen verzeihen, denn ſie ſind eine Ausnahme, eine Abirrung von dem Menſchenthume.
Die Mehrzahl von uns hat, Dank dem Himmel, nicht zu philoſophiren, ſondern einfach zu leben. Wir fühlen uns zueinander hingezogen und wiſſen oft kaum weshalb, wir lieben uns gegenſeitig und finden oft noch weniger den Grund davon auf.— An einem Sonntage in der Kirche war es, als Hilary zum erſten Mal Herrn Lyon's ernſtes, faſt ſtrenges Antlitz erblickte, das mit ſeinem ſchottiſchen Typus, welcher meiſt ſtarke ſcharfe Züge hat, neben den weichen, roſigen, die ſüch⸗ ſiſche Abſtammung verrathenden Geſichtern der Jugend von Stowbury„hart“ ausſah. Wenn in dieſer Stunde Jemand zu Hilary geſagt hätte, daß das Antlitz dieſes Fremden das eine für ſie werden würde, welches ſich
Herrin und Dienerin. I. 2


