Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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Von dieſer feierlichen Stunde an, da ſie in dem Schweigen der Mitternacht das neugeborene Kind von dem Todesbett der Mutter nahm, ward Hilary's Wohl Johanna's Hauptbeſchäftigung und Lebensberuf. Durch eine ſehr kränkliche Kindheit denn das kleine Mädchen ward inmitten von Kummer und Sorge geboren brachte ihre unermüdliche Pflege und Achtſamkeit ſie glücklich hindurch, und keine andere Hand hatte jemals Hilary bedient oder ihr Speiſe und Trank gereicht, als Johanna's. Tag und Nacht ruhte ſie ſicher und geborgen an ihrem Herzen und war ihr gleich einem eigenen Kinde.

Die treue, ſorgende Schweſter war damals dreißig Jahr, nicht zu alt für die natürliche Beſtimmung des Weibes, Frau und Mutter zu ſein, aber die Jahre rauſchten dahin und ſie blieb uuverheirathet. Doch was that es war Hilary nicht ihre Tochter?

Johanna's Stolz über ſie kannte keine Grenze; dennoch trug ſie ihn nicht zur Schau, ſie hielt es ſogar für ihre Pflicht zu thun, als ob dieſes Kind ganz wie andere Kinder ſei. Doch Hilarh war es nicht, ſelbſt nicht im Aeußeren, und Jeder fand das bald heraus. Ein gütiges Geſchick hatte ſie verſchwenderiſch mit all den Gaben ausgeſtattet, die oft vereinzelt den Menſchen verliehen werden, um für den Mangel anderer weltlicher Güter zu entſchädigen. Ihre braunen Angen, ſo ſanft wie Taubenaugen, konnten, wenn es ihr einfiel, vor Schelmerei und Uebermuth blitzen, ihr Haar, auch von brauner Farbe, doch mit einem röthlich goldigen Schimmer, als wenn Sonnenſtrahlen eingeſponnen wären, theilte ſich in zwei wellige Linien über der Stirn und fiel dann in