8
ſprechend, und bei dieſer noch nicht gehörten Stimme, die ſo friſch, ſo hell und angenehm klang, ſtutzte Eliſabeth.
Hilary erhob ſich von den Knieen, durchſchritt die Küche, nahm aus den widerſtandsloſen Händen des Mädchens den alten, ſchwarzen Hut und das kleine Tuch und hing Beides ſorgfältig an einen Nagel, hinter der acht Tage gehenden Uhr. Es war eine ganz einfache Handlung, ohne beſondere Abſicht gethan, ohne beſonderen Dank angenommen— es ſei denn, daß ein ſchneller Blick der ſcharfen, und doch ſanften, grauen Augen dieſen bekundete, und dennoch machte ſie einen tiefen Eindruck auf Eliſabeth, die noch nach Jahren Hilary daran erinnerte.
Nicht mehr verhüllt durch Hut und Shawl, nicht mehr beſchützt und bevormundet durch die Mutter, trat nun das eigene Selbſt, ſowohl das geiſtige als körper⸗ liche, des neuen Mädchens den Damen klarer entgegen. Die Schürze, eher ein kleiner Ueberwurf, bedeckte kaum ihren mageren Hals und ihre langen Arme; die Maſſen des dunkeln, rauhen Haares waren gewiß zum erſten Male durch einen Kamm auf dem großen, ſtarken Kopfe zuſammengehalten, und hier und dort entſchlüpften noch krauſe, wirre Locken nach allen Richtungen hin der Haft, und wurden immer hinter die Ohren geworfen, oder aus dem Geſicht geſtrichen(nicht geglättet, denn an Eliſabeth war nicht Glattes noch Weiches) um die Stirn frei zu laſſen, die, wie Hilary bemerkte, niedrig, breit und ſtark war. Der übrige Theil des Geſichtes, die ſchon vorhin erwähnten Augen ausgenommen, mußte entſchieden un⸗ ſchön genannt werden. Ihre Geſtalt war unentwickelt und reizlos, die Bruſt ſchmal und zuſammengepreßt, und


