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Augen boten, die, obgleich ſie nichts zu ſehen ſchien, doch Alles bemerkte.
„Ich habe meine Tochter gebracht Madame, da Sie mir ſagen ließen, Sie wollten es mit ihr verſuchen“, begann Frau Hand, ſich an Selina wendend, welche als die größeſte, ſtattlichſte und am beſten gekleidete von den drei Schweſtern, von Fremden ſtets für das Haupt der Familie gehalten wurde, die jetzt aber rief:
„OD, Johanna, meine Liebe, bitte, komm her!“
Die Angeredete trat herzu, zögernd und etwas un⸗ ſicher, denn ſie war eine ſchüchterne Natur und hatte ſich ſeit ſo langer Zeit gewöhnt, die Stelle einer Magd im Hauſe auszufüllen, daß ſie mun in der Rolle der Herrin ſich ganz ſeltſam und fremd erſchien. Unwill⸗ kürlich verbarg ſie ihre armen Hände, deren Ausſehen ſie dem ſcharfen Blicke der Arbeitsfrau ſogleich verrathen haben würde, und dann, beſchämt über dieſe Regung falſchen Stolzes, legte ſie dieſelben gerade auf ihre Schürze hin und ſetzte ſich ruhig nieder.
„Wollen Sie nicht einen Stuhl nehmen, Frau Hand? Ich glaube, meine Schweſter theilte Ihnen ſchon unſere Anforderungen und Bedingungen mit. Wir verlangen nur ein gutes, anſtelliges Mädchen, denn wir ſind gern bereit, ſie in Allem zu unterweiſen.“
„Schönen Dank, Fräulein, ich bin wohl zufrieden, wenn ſie Alles lernt“, erwiderte die Mutter, vor der ſanften Stimme der Dame ihren etwas ſcharfen und beſtimmten Ton mildernd. Da ſie in derſelben Provinzialſtadt lebte, kannte ſie alle Verhältniſſe der drei Schullehrerinnen genau und wußte wohl, daß ſie bis jetzt noch kein Mädchen


