Teil eines Werkes 
1. Band (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

199

mächtig war, verſtändigte ich mich auch mit meinem Gatten und gewann Einfluß auf ihn, wie ich hoffe, einen guten. Im Ganzen iſt mein Leben hier ruhig dahinge⸗ floſſen, mit Ausnahme jener ſchrecklichen Zeit, in welcher die mohammedaniſchen Kurden ſich zuſammenthaten, die Neſtorianer zu vernichten. Zwiſchen dem Geſchlechte Tanlik⸗Aga's und dem Geſchlechte Kaſchir⸗Aga's hatte ſtets Feindſchaft gewaltet; jener Kurde, der mich raubte und im Kampf fiel, war ein Verwandter Tamir⸗Aga's geweſen. So überfielen denn die Hakkari in jener Zeit es ſind jetzt ungefähr zwanzig Jahre her auch unſere Burg, als Tanlik⸗Aga abweſend war. Es gelang ihnen, die Mauer zu erſteigen, und bereits führte man mich und meine drei Knaben in die Gefan⸗ genſchaft, als Tanlik⸗Aga die Hakkari erreichte. Als ſie ſahen, daß ſie weichen mußten, wollten ſie mich und meine Kinder tödten. Aber ich rettete mein eigenes und das Leben meines Aelteſten; die beiden andern Knaben, von denen der eine noch ein Säugling war, ſah ich mir aus den Armen reißen und unter dem Dolch der Hakkari ſterben. Ach, es iſt ein wildes Geſchlecht!

Sie ſtützte den Kopf in die Hände und verſank eine Zeit lang in trübes Nachdenken, das Wiedenburg nicht zu unterbrechen wagte.

Seit jener Zeit iſt Kampf und Mord dieſen