56
nach Sibirien eintragen konnte Schlummerte in dieſem Manne, der in Garika ein unthätiges und erſchlaffendes Leben führte, wirklich noch etwas von dem Muthe ſeines Vaters und ſeiner Großmutter? Sophia kannte als Fa— milienmitglied die Geſchichte der Garikas gut genug. Der Großvater Daniel's war ein entnervter, willens⸗ ſchwacher Mann geweſen, dem Rußland ohne viele Mühe das Scepter aus den Händen genommen; anders aber die Großmutter, die einen ruſſiſchen Offizier, der ihr den Gehorſam verweigerte und ſie mit Gewalt nach Tiflis führen wollte, mit dem gezückten Dolch aus ihrem Zimmer vertrieben hatte, und erſt ſpäter mit Liſt und Gewalt nach Petersburg gebracht worden war, wo ſie bald ſtarb; anders auch der Vater Daniel's, der überwieſen worden, daß er einen Aufſtand der Bergvölker nicht nur heimlich unterſtützt, ſondern auch im Begriff geweſen, ſich dem⸗ ſelben anzuſchließen. Man hatte ihn nach Sibirien ge⸗ ſchickt; er war auf der Reiſe dorthin oder kurz nach der Ankunft geſtorben. Auch die Mutter war bald darauf verſchieden. Die drei Kinder, Daniel, Giorgi und Nina, hatte man in Petersburg erzogen. Dort war Giorgi verſchwunden; es hieß, er ſei beim Baden in der Newa ertrunken. Seit jener Zeit hatte, wie wir wiſſen, Daniel Garika dem rnſſiſchen Gouvernement eine unbe⸗ dingte Ergebenheit gezeigt, und die Heirath Nina's mit


