Teil eines Werkes 
1. Band (1866)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Jetzt waren ſie als Mitgift für Daniel's Schweſter Nina an den Grafen Michael Brazow gefallen, einen Ruſſen. Es war ein kleines, aber ſchönes Königreich geweſen, über welches die Garikas einſt geboten. Jetzt war dem Königsenkel nichts geblieben als der Ertrag des Gebie⸗ tes, das zu Garika gehörte, und ſein Rang als Miliz⸗ offizier. Freilich war der Landſtrich, den er ſein nannte, immer noch ſo groß als manches deutſche Fürſtenthum. Aber die Herrſchaft lag in den Händen des Czaren und ſeines mächtigen Stellvertreters, des Generalgouverneurs von Cis und Transkaukaſien, damals Fürſt Woron⸗ zow. Daniel Garika galt nicht mehr, vielleicht ſogar weniger als jeder ruſſiſche Unterthan.

Kamen dem Fürſten düſtere Gedanken, als er r durch das Thal ritt? Faſt ſchien es ſo, denn ſeine Stirn war gefaltet, ſeine Miene finſter. Nach dem Tode ſeines Vaters und ſeiner Mutter in Petersburg erzogen, hatte er freilich die Macht Rußlands bewundern und fürchten gelernt; jeder Gedanke daran, daß er einſt wieder als eigener Herr in dieſem Lande gebieten könne, war längſt in ihm erſtickt; über die Bemühungen Schamhl's und ſeiner Genoſſen, dem rieſigen Gegner Rußland Wider⸗ ſtand entgegen zu ſetzen, zuckte er mitleidig und faſt ver⸗ ächtlich die Achſeln. Aber das Königsblut wallte den⸗ noch zuweilen in ihm auf. Er liebte Sophia, die