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Geſichts war keine nordiſche; ſie war angehaucht von einem leichten gelblichen Schimmer, den nur der Süden kennt. Auch zeigten die Brauen, das lange, vom Regen feuchte Haar und der Schnurrbart, der ſich lang ſchmal und glänzend bis zur Wange hinaufzog, das reine und tiefe Schwarz des Orients. Dieſes Schwarz dämpfte auch den gelblichen Anhauch des Geſichts und ließ es faſt mäd⸗
chenhaft zart erſcheinen, ja, unter dieſen dunklen Brauen
leuchteten ſelbſt die Augen, obſchon vom reinſten Braun, in einem hellern Glanze. Hrientaliſch war auch die ſchmale Stirn mit den ſcharf abfallenden Schläfen, die gebogene, ſchmale Naſe, der feingeſchnittene Mund; aber es ließ ſich doch nicht leicht erkennen, welchem Volke des OHrients der junge, vielleicht fünfundzwanzigjährige Mann angehörte. Der Schnitt des Geſichts, die etwas läng⸗ liche Form der klaren Augen, der Bau des Kopfes trugen
den edelſten Charakter. Man hätte einen vornehmen
Perſer oder einen Circaſſier in ihm vermuthen können.
Auch der Ausdruck ſeiner Züge zeigte nicht das Läſſige, Phlegmatiſche, was den eigentlichen Türken ver⸗ räth; er war lebhafter, intelligenter, wechſelvoller. Ein Türke würde die Ungeduld, die Erwartung und die Sehnſucht, auch wenn er ſie gefühlt, unter der Maske der Gleichgültigkeit verborgen haben; die Züge des jungen Mannes aber ſpiegelten deutlich wieder, was in ihm


