28
Meiſter wurden demnach einmal von einem Schuͤ⸗ ler uͤbertroffen, welcher die Rolle des älteren Bru⸗ tus ſo lange fortſpielte, bis er im Beſitze des Ge⸗ wuͤnſchten und der gluͤckliche Augenblick zu Ver⸗ nichtung der Tyrannei vorhanden war.
Der Tod Joao's VI. war fuͤr den bereits Sjaͤhrigen das glucklichſte Ereigniß; denn nun wurde er von D. Joſe alsbald zum Staatsſekre⸗ taͤr ernannt, beſonders durch die Verwendung der koͤniglichen Mutter, welche innige Freundſchaft fuͤr Carvalho's Gattin hegte. An dem neuen Monar⸗ chen fand jener ganz den Fuͤrſten, wie er ihn be⸗ durfte. Begabt mit vielem Talente und trefflichen Gemuͤthesgaben, war dennoch Dom Joſè I. ſeiner Wuͤrde als Regent keinesweges gewachſen, da ſein Vater, aus erklaͤrlichem Argwohne gegen den Nach⸗ folger— er hatte noch D. Pedro's Beiſpiel friſch
vor Augen— alle Theilnahme an Staatsgeſchaͤf⸗
ten abſichtlich ihm entzogen, und ſomit auch um die Faͤhigkeit ihn gebracht hatte, mit eigenen Augen zu ſehen, mit eigenen Ohren zu hoͤren und mit eige⸗ nen Haͤnden das Steuer zu fuͤhren. Seiner Un⸗ tuchtigkeit ſich bewußt, gab D. Joſe ſein oft geſun⸗ des Urtheil, verzweifelnd an deſſelben Werthe und
Richtigkeit, meiſt an die Ueberzeugung Anderer ge⸗
fangen und wurde wider ſeinen Willen gauz abhaͤn⸗ gig von den Ideen ſeiner nächſten Vertrauten und Staatsbeamten.
Carvalho hatte ſeinen Charakter durchſchaut
und keine Schwäche des Herrn blieb dem ſtaats⸗
klugen Manne entgangen. Darauf baute er nun
ſein kuͤnftiges Syſtem und die Erfahrung rechtfer⸗


