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Der Graf Caſtel⸗Melhor bewarb ſich um Beide, fuͤr D. Alfonſo, und D. Pedro, zugleich. Die aͤl⸗ tere, Marie Jeannette, zog jedoch Karl Emanuel von Savoyen dem Koͤnige von Portugal vor, und ſo wurde denn die juͤngere Schweſter, Marie Frangoiſe Iſabeau, an denſelben vermaͤhlt; D. Pedro ſollte durch eine Nichte des großen Tuͤ⸗ renne, Mademviſelle von Bouillon, entſchaͤdigt werden.
Aber die Ruͤckſichtsloſigkeit der Leidenſchaft vereitelte alle Berechnungen der Staatskunſt. Der Infant faßte heiße Liebe fur die Schweſter ſeines Herrn und Bruders; ſie erwiederte ſolche, und be⸗ ſtieg ſchon das Ehebett mit ehebrecheriſchen Geluſten und Planen. Die Frivolitaͤt des gewiſſenloſen Bi⸗ ſchofs von Laon(nachmaligen Kardinals von Etrees) trug nicht wenig dazu bei, die junge Fuͤrſtin in ihren ſuͤndhaften Geſinnungen zu beſtaͤrken. So wurde ſie denn— nach einer Aeußerung der Ma⸗ demoiſelle von Montpenſier— gleich Anfangs in die Lage verſetzt, zwei Maͤnner auf einmal zu ha⸗ ben und mit zwei Bruͤdern zu gleicher Zeit verheira⸗ thet zu ſeyn. Sie erhielt bald von dem letzten Manne eine Tochter, der, wie alle Welt behaup⸗ tete, ſehr luͤderlich lebte. Es iſt jedoch— faͤhrt die Dame ſehr unbefangen fort, zu hoffen, daß es bei dieſem bleiben werde; denn, obgleich eine aus⸗ ſchweifende Lebensweiſe hinlaͤnglich berechtigte, eine Ehe aufzuheben, ſo könnte ſie doch ihren Mann nicht verlaſſen und einen dritten Bruder heirathen, weil in Portugal keiner mehr zu finden, als der Koͤnig, und der, welcher ihr Mann iſt.


