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tenden Obriſt-Jägermeiſter fragte, ob dieß wohl der Reichstag ſey, von welchem man ſchon ſo oft und ſo Vieles ihm vorgeſagt? In ſeinen Zimmern wurde ihm, nach beendigter Ceremonie des Hand⸗ Kuſſes, uͤber das Vorgefallene klarer Wein einge⸗ ſchenkt und die Entfernung der Conti's, als nothwen⸗ dig fur ſeine und des Reiches Sicherheit, mitge⸗ theilt. Er vernahm nun auch hier noch gute Lehren in Menge. In ſeinem Innern bruͤtete aber Rache. Er war auf einmal wieder zur Erkenntniß ſeiner Stellung und ſeiner Schmach gekommen.
Gleich des folgenden Tages, nachdem jene de⸗ muͤthigende Scene vorgefallen, ritt der Koͤnig aus, und befahl, daß der Graf von Caſtel⸗Melhor, der einzige Grande, zu welchem er Vertrauen gefaßt, und der in ſeinem Intereſſe auch aufrichtig wirkte, noch für eine Woche den Dienſt verſehe. Am Tage darauf heſuchte Alfonſo ſeine Mutter, und erkun⸗ digte ſich, wie von ungefaͤhr, nach den Conti's. Aus der ungewohnlichen Faſſung, die der Konig beobach“ tete, ahnten Viele nicht das Beſte fuͤr die Macht⸗ haber; die Koͤnigin ſelbſt, als ſie den Grafen Ca⸗ ſtel⸗Melhor an der Seite deſſelben und in ziemlich lebhafter Unterhaltung ſah, faßte den neuen Guͤnſt⸗ ling am Arme und fluͤſterte die bedeutungsvollen Worte ihm zu:„Graf, wohl kenn' ich des Koͤniges großes Vertrauen zu Euch; ſollte er aber das Ge⸗ ringſte wider meinen Willen thun, ſo buͤßet Ihr mir's mit Euerm Kopfe!“— Caſtel⸗Melhor ver⸗ neigte ſich ſtumm, klagte aber die ſtolze Drohung ſeinem Herrn, Dom Alfonſo, welchem er zu⸗ gleich uͤber die ſchimpfliche Rolle, die man dem


