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Einfluß in die Staatsangelegenheiten zu bahnen. Es iſt zu vermuthen, daß mehr die Sorge fuͤr den Glanz des Hauſes, welcher durch Alfonſo's Untuͤch⸗ tigkeit bedroht wurde, als unmuͤtterlicher Sinn Donna Leonor's, die meiſte Schuld an dieſem Sy⸗ ſteme trug.
Vom Jahre 1662 an ging ſie darauf aus, den zuͤgelkoſen mehr in die Zucht zu nehmen, und den längſt gehegten Plan zu vollfuͤhren. Die
erſte oͤffentliche Beſchimpfung wurde demſelben durch den mit ihr einverſtandenen Herzog von Cadaval, gleichfalls Werkzeug der Jeſuiten, zugefuͤgt. Im Namen der Mutter, der Geſchwiſter und der Na⸗ tion wurde er in feierlicher Hofverſammlung ver⸗ mahnt, eine ſeines Hauſes und Volkes wuͤrdigere Lebensart zu waͤhlen. Noch weiter ging man einige Zeit darauf. Der Koͤnig Alfons wurde ploͤtzlich, als alle Großen des Reiches bei Hofe verſammelt waren, zu ſeiner Mutter beſchieden, und mit Ein⸗ verſtaͤndniß derſelben und des Herzogs von Cadaval, der Palaſt geſperrt. Conti, ſeinen Bruder und den dritten Guͤnſtling, Matos, ſchleppte man auf ein ſegelfertiges Schiff und fuͤhrte ſie nach Braſilien 1 ab. Darauf mußte der Koͤnig vor allem Hofvolke und Adel ein foͤrmliches Klagelied uͤber den betruͤb⸗
ten Zuſtand und ein ausfuͤhrliches Verzeichniß von
allen Drangſalen vernehmen, in welche das Reich
durch ſein Betragen gerathen ſey. Dieſem folgte
2 eine ernſtliche Bußpredigt, unterſtuͤtzt durch Bitten und Drohungen.
Alfonſo war aller Verhaͤltniſſe und Intriken ſo
ganz unkundig, daß er, naiv genug, den ihn beglei⸗


