Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

Ruf ſprach ihm alles Vermogen ab, Kinder zu zeu⸗

gen, und gab das Mädchen, welches als ſeine Tochter erzogen wurde, als das erborgte Kind eines Fremden aus. Dieß iſt das Gemaͤlde, welches der Abgeſandte Englands am Hofe zu Lisbva, Herr Robert South⸗ well, von D. Alfonſo entworfen hat. Die Gegner der Jeſuiten dagegen halten den Englaͤnder, wie viele Andere, durch die von dem Orden verfälſchte allge⸗ meine Meinung uͤber D. Alfonſo getaäuſcht, und dieſen Letztern fuͤr ein Opfer prieſterlicher Rache, da er den Jeſuiten und ihren Einrichtungen jederzeit ſehr veraͤchtlich begegnet. Die Wahrheit liegt wohl auch hier in der Mitte.

Ein Menſch von dunkler Herkunft und Be⸗ ſchaͤftigung, der Genueſer Antonio Conti, Mei⸗ ſter im Ballſpiele und andern kindiſchen Kuͤnſten, ge⸗ wann das ganze Herz des unbeſchäftigten Koͤniges, welcher freilich noch gleichſam Knabe und zu Regie⸗ rungsgeſchaͤften abſichtlich niemals erzogen worden war. Allmälig ſtieg Conti von Wuͤrde zu Wuͤrde, und von Auszeichnung zu Auszeichnung, daß ſelbſt die Geſchaͤftsträger des Auslandes, um ihre Abſich⸗ ten deſto leichter zu erreichen, mit ihrer Aufmerk⸗ ſamkeit ihn beehrten. Die Koͤnigin Leonor, ſeine Mutter, ſtand im Verdachte, die Thorheiten und Ausſchweifungen, welche der minderjaͤhrige Fuͤrſt, vereint mit ſeinem Günſtlinge und andern Freaturen ſeiner Neigung, beging, nicht nur auf keinerlei Weiſe verhuͤtet, ſondern ſogar beguͤnſtigt zu haben, in der geheimen Abſicht, die Liebe der Portugieſen zu dem geſetzmaͤßigen Herrſcher dadurch zu ſchwaͤchen, und ſich ſelbſt einen ausſcliehenden