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ſchenraͤume, in denen ein edles Gemuͤth und ein zertruͤmmerter Verſtand ſich kund gaben. Bald aber ſiegte wieder die Ohnmacht und zerſtorte den fruͤheren Eindruck. Die Tugenden, welche er in dieſen Augenblicken offenbarte, halfen ſodann ge⸗ woͤhnlich die Achtung gegen ihn mehr vernichten, als die meiſten ſeiner Fehler. Es wußte der Monarch niemals, was Verſtellung ſey; was der Wahrheit gemaͤß war, ſagte er Jedermann keck heraus. Auch wurde er weder durch Zeit, noch Ort, noch Perſon von freimuͤthigen Aeußerungen zuruͤckgehatten; in ſeiner Entruͤſtung redete er Jeglichem das Gute und Boͤſe, was er nur je von ihm ſagen gehoͤrt, gera⸗ dezu in's Angeſicht. Freigebig von Natur, verlor er dennoch alle Fruͤchte eines angebornen Hanges zur Großmuth, und ſie nahm den Charakter der Verſchwendung an, da ſeine Gnade unwuͤrdigen Perſonen ſich erſchloß, und verdienſtvollere von ſich ſtieß. Es fehlte Alfonſen nicht an Erhabenheit des Geiſtes: aber die durch keine Grundſaͤtze geregelte Richtung deſſelben riß ihn zu dem Wahne fort, daß er ein kraͤftiger Menſch, ja ein Held ſey, und ver⸗ leitete ihn nicht ſelten zu geringerer Schaͤtzung von Menſchenleben, als einem Koͤnige von Talent und Gerechtigkeitsliebe gebuͤhrt. Auch der Wolluſt war er zu ſehr unterthan. Die Intriken eines foͤrmli⸗ chen Harems, welchen er unterhielt, beſchaͤftigten ihn mehr, als die großen politiſchen Verhaͤltniſſe, an welche Portugals Selbſtſtaͤndigkeit und Natio⸗ nalruhm ſich knuͤpften. Dennoch hielt ſeine phyſi⸗ ſche Tuͤchtigkeit mit der luͤſternen Begierde, die ihn raſtlos verzehrte, keinesweges gleichen Schritt. Der


