Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28

Und Lisbeth weinte.

Elias nahm Platz neben ihr, zog die eine Hand von dem in Thränen gebadeten Geſicht und bat ſie, daß ſie mit Ruhe anhören möchte, er würde ihr er— klären—

„—— Und was wirſt Du mir zu erklären haben?“ rief Lisbeth;„daß Du Anna eben ſo warm, eben ſo lebhaft liebſt, wie Du vor vierzehn Monaten mich liebteſt.“

„Lisbeth!“ unterbrach ſie Elias,„ich habe nicht geſagt, daß ich Anna liebe, ich habe nur ausgeſprochen, daß ſie mich am meiſten intereſſirt, daß ſie meine leb⸗ hafteſten Sympathien hat, und daß es auf der Hand liegt, daß ich ſie eines Tages ſehr lieb gewinnen könnte, ja lieber als alle Andern auf dieſer ſchönen Erde. Dies beweiſt jedoch nicht, daß ich treulos oder unſtät bin, ſondern nur, daß ich in meiner erwachenden Neigung zu Anna einen Erſatz für den Schiffbruch, den meine erſte Liebe erlitt, ſuche. Ein ſolches Heilmittel iſt, glaube mir, viel ſicherer als eine Kaltwaſſerkur.“

„Elias!“ rief Lisbeth— und ſprang vom Sitze empor.„Deine Flüchtigkeit koſtet mich Thränen, ich leide darunter, und Du ſollteſt daß der Korb,

1.

den ich Dir gab, nur———

Lisbeth ſchwieg plötzlich und ſank wieder auf die