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Nach dieſem Abend war Valentin ſich wieder gleich in ſeinem Benehmen gegen Frigga und der äußere Beobachter würde Mühe gehabt haben, zu entdecken, daß Trauer die Harthon ſche Familie heimgeſucht. Be⸗ trachtete man den Grafen und die Gräfin genauer, ſo las man in ihren Zügen, daß die Zeit nicht ſo leicht die Wunden heilen würde, welche ihre Herzen erhalten.
Lamartine ſagt irgendwo, daß die wahre Bildung nicht bloß in der Aufklärung des Verſtandes, ſon⸗ dern ebenſoviel in der moraliſchen Kraft liege. Der unciviliſirte Menſch gibt ſeiner Freude und Trauer, ſeinem Wohlwollen und ſeinem Zorn freien Lauf; die Civiliſirten ſetzen eine Ehre darein, dieſe Gefühls⸗ ausbrüche zu beherrſchen und Prüfungen mit religiö⸗ ſer Ergebenheit und moraliſchem Muthe zu ertragen.
Graf Harthon hatte ſein ganzes Leben hindurch Selbſtbeherrſchung als eine Pflicht angeſehen. Als Edelmann und als gebildeter Mann hielt er jeden Ausbruch heftiger Gefühle für unter ſeiner Würde.
Eines Nachmittags, einige Zeit nach dem oben beſchriebenen Geſpräch, kehrten Valentin und Frigga vom Pfarrhofe nach Liungbro zurück.
Sie hatten ſich dort getroffen und gingen nun mit einander nach Hauſe.
— Ich ſoll Sie von Lilie grüßen,— ſagte Frigga.— Ich habe einen Brief von ihr.
— Die Gräfin befindet ſich wohl, hoffe ich.
— Ja, und ſie ſcheint jezt, nachdem ſie nach Frankreich zurückgekehrt und ſich bei ihren Eltern aufhält, auch bei ganz guter Laune zu ſein.
Das iſt natürlich. Die Gräfin hu jet alle


