Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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Ein Jahr war über Melcers Grab dahingegangen.

Wieder wurde die Erde vom erſten Mai begrüßt, welcher herankam von Vogelgeſang, Blumenduft und Weſtwinden begleitet.

Auf Liungbro hatte Valentin gehörig geſchafft.

Das gräfliche Schloß war weſentlichen Aenderun⸗ gen unterworfen worden. Auf dem Hofe waren Blumenanlagen gemacht. Am Seeufer im Park war ein hübſcher Pavillon mit Ausſicht auf das Meer aufgeführt worden. Außerdem waren mehrere neue Gebäude angefangen.

Genug, der Lieutenant hatte ſich einer ununter⸗ brochenen Wirkſamkeit gewidmet, und man war in der That verſucht zu glauben, daß er mit Herz und Seele nur für die rein praktiſchen Geſchäfte lebte.

Vom BGrafen hatte er mehrere Geſchäftsbriefe er⸗ erhalten, deren Poſtſcripten Grüße von der Gräfin und Frigga angefügt waren.

Wie ſie ſich befänden, oder wie ſie ihre Sorgen, trügen, darüber ſtand nie ein Buchſtabe.

Valentin würde in vollkommener Unkenntniß von Allem, was Frigga betraf, gelebt haben, wenn die letztere nicht an den Proypſt geſchrieben hätte.

An ihren alten Freund und Religionslehrer ſchrieb Frigga lange und ausführliche Briefe. Sie ſprach von der Trauer der Eltern, aber nie von ihrer eige⸗ nen. Dieſe behielt ſie für ſich. Sie beſchrieb die

Gegenden, die ſie beſuchten, die Perſonen, mit wel⸗

chen ſie zuſammentrafen. In jedem Schreiben ſandte Frigga einen herzlichen Gruß an Valentin und fragte auch darnach, wie er ſich befände u. ſ. w.; aber Alles dies in Worten, wie man ſie anwendet, wenn