Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

224

Pflicht thue?— Was ſoll ich denn von Ihnen ſagen?— Frigga lächelte wehmüthig.

— Ich ſuche ſie nur minder ſchwer für Sie zu machen, und glauben Sie mir, jeder würde es an meiner Stelle thun.—

Frigga ſchüttelte den Kopf,

— Das bezweifle ich,— ſagte ſie;— aber es war weder um friſche Luft zu ſchöpfen, noch um von Ihnen und mir zu ſprechen, daß ich Melcer verließ, da Sie abweſend waren, ſondern weil ich eine Bitte an Sie habe.—

Es wird mir lieb ſein, eine jede ſolche zu er⸗ füllen.

— Dank!— Frigga verneigte ihren Kopf.—

Sie haben oft zu meinem Vater geſagt,— hob ſie

wieder an— daß Sie Doctor Levitain für den Ein⸗ zigen hielten, welcher etwas Weſentliches für die Wiederherſtellung Melcers zu thun vermöchte.

— Das war auch meine Ueberzeugung; aber das Mißtrauen des Grafen zu ſeiner jüdiſchen Geburt war Schuld daran, daß der Rath verworfen wurde.

— Ich weiß es und nach einem langen innern Streit mit mir ſelbſt habe ich mich entſchloſſen, Sie zu bitten, an Doctor Levitain zu ſchreiben und ſein Gutachten einzuholen. Wenn es Unrecht iſt, daß ich Sie bitte, dieſen Schritt zu thun, trotz dem Willen meines Vaters, ſo wird der Höchſte es mir gewiß verzeihen; denn ich weiß nicht was ich opfern würde,

könnte ich meinem Bruder Leben und Geſundheit

wieder ſchenken. — Glauben Fräulein wirklich, daß ich gewartet,

bis ich aufgefordert würde, Alles für Ihren Bruder

S— S e