Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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den. Sie hörte einen lauten Schrei; der Griff um ihren Leib ließ nach und— er fieel.

Als Frigga wieder die Augen aufſchlug, lag ſie auf der Plattform, gleich innerhalb der Bruſtwehr. Neben ihr rangen zwei Männer miteinander.

Der Schreck hatte Frigga weder Beſinnung. noch Geiſtesgegenwart geraubt. Sie richtete ſich raſch auf und ſah augenblicklich ein, daß ſie nach Hülfe rufen mußte, damit der Kampf, den Valentin jezt mit ihrem Bruder kämpfte, keinen unglücklichen Aus⸗ gang nehme.

Den Platz der Streiter zu verlaſſen ſchien ihr unmöglich. Sie beugte ſich deßhalb über die Barriere, um durch Rufen Entſatz zu verſchaffen; aber bei dieſer Bewegung ſagte Valentin mit Anſtrengung:

— Um Gotteswillen, bleiben Sie ſtill und ruhig!

Friggas Lippen ſchloſſen ſich. Sie blieb unbe⸗ weglich ſtehen wie eine Bildſäule.

Einige Minuten darauf war der Kampf zu Ende.

Valentin hatte Melcer unter ſich gekriegt und

während er ihn ſo hielt, bemerkte er, indem er ſich

an Frigga wandte:

— Wollen Fräulein jetzt ſo gut ſein und ſich entfernen! Gehen Sie hinunter in die Thurm⸗ kammer, wir werden gleich nachkommen.

Frigga bewégte ſich nicht. Sie ſchauderte bei dem bloßen Gedanken, Valentin allein mit dem Bruder zu laſſen.

— Fräulein Frigga, ich beſchwöre Sie, gehen Sie, denn ſonſt werde ich ihn nie bändigen können! Sie nichts, ſondern glauben Sie blind an mich.