Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

206

Als Marquis de Maillé nach Verlauf dieſer Zeit ſie endlich wieder abholte und ſeine junge, ſchöne Frau zu Hofe brachte, war von der früheren heiß⸗ blütigen, unbedachtſamen Cäſarine auch nicht ein Schatten übrig.

Das Leiden hatte ihre Seele verhärtet und ſie trat wieder in die Welt hinaus als eine kalte ſtolze Egoiſtin, welche nur ein einziges warmes Gefühl in ihrem Herzen hatte, und das war die Liebe zu ihrem Kinde, von welchem ſie getrennt bleiben mußte und bei welchem zu ſein ihre größte Freude geweſen ſein würde.

Im Jahr nach der Wiedervereinigung mit ihrem Manne wurde Ihr Vater geboren.

Ihre Großmutter wurde aus ariſtokratiſchem In⸗ tereſſe eine der Freundinnen Marie Antoinettes und in alle Intriguen, welche der Hof ſpann, um der Volks⸗ bewegung entgegenzuwirken, hineingezogen.

Während ſie an denſelben wirkſamen Antheil nahm, trat Mirabeau auf, um mit ſeinem Geiſt gleich dem Blitz die Finſterniß am politiſchen Him⸗

mel aufzuhellen und das Volk durch ſeine Beredtſam⸗

keit hinzureißen.

Er, der einzige Mann, den ſie liebte, wurde ihr

Gegner.

Unglücklich in ihrer Ehe, da der Mann ihr nie

den Fehler, welchen ſie begangen, verzeihen konnte, war ſie auch als Mutter unglücklich; denn außerdem, daß ſie ihr liebſtes Kind verleugnen mußte, hielt ſie der Marquis von ihrem Sohne getrennt.