Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

315

ſich im letzten Kampfe klammert. Wirſt Du nicht Muth haben, den Willen des Schickſals zu ertragen, da die Hoffnung, daß Du einmal glücklich wirſt, Hagar einen ſanften Tod bereiten wird.

Hagar, ſagte Albert und drückte ſeine bleiche Stirn gegen ihre Hände; Du kennſt nicht den Mann, nicht das Herz, welches Dich liebt. Du, mit Deiner zu gleicher Zeit glühenden und weichen Seele, kannſt nicht ein Gemüth wie das meinige erfaſſen.

Von Natur aus wenig gefühlvollem Stoff ge⸗ bildet, wurde alles Weiche unter der Leitung meiner Mutter hart in mir. Meine Seele nahm das Ge⸗ präge eiſenfeſter Unbiegſamkeit an. Güte, Zärtlich⸗ keit, Milde, kannte ich nicht. Das Mitleid war für mich fremd; ich war rechtſchaffen, das war Alles.

Nun wohl, Kind, wenn ein Gemüth wie das meinige von Liebe erglüht und das Eiſen Feuer wird, dann geſchieht es nur einmal im Leben.

Wenn Du fort biſt, wenn der Tod das Einzige, was ich liebe, vernichtet hat, dann wird der fließende Feuerſtrom ſich abkühlen und ſtarr werden.

Aus Erz wird Eiſen, rein von allen Schlacken, das iſt wahr; aber kaltes und hartes Eiſen.

Ich werde leben, weil ich nicht feig genug bin, ein Selbſtmörder zu werden; aber ich werde weder Troſt noch Erſatz ſuchen oder finden Die menſchliche Fähigkeit, zu genießen, zu leiden und zu verzweifeln, wird mit Dir begraben und neben dem Grabe laſſeſt Du zurück den ſtrengen, unbeweglichen Richter, der allein das WortRecht verſteht, der aber alle andere Gefühle beerdigt hat. Spreche nicht zu