Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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— Sie war jetzt wie immer, kalt, ſtolz und un⸗ beugſam; aber glaube mir, eines Tages wird ſie mir Deine Hand ſchenken.

— Auch ich hoffe es. Aha! ich kenne meine Mutter, ſie will nicht in Jemandes Schuld ſtehen und jetzt iſt ſie doch in Deiner Schuld.

— Und wird es immer bleiben; denn nie ſollte ſie wohl die Zeit der Entſagung, der bitteren Kämpfe und namenloſen Qualen, welche ihr Hoch⸗ muth mich koſtete, mir je wieder geben können.

— Nicht ſie, ſondern ich kann es,— flüſterte Albertine lächelnd.

Minna's Eintreten unterbrach das Geſpräch.

Die gewöhnliche Ordnung im Hauſe der Pro⸗ feſſorin hatte wieder ihren regelmäßigen Gang ge⸗

nommen. Ihre Gnaden hatte kein Wort gegen Al⸗

bertine über Richard geäußert. Befehlshaberiſch und

ſtolz war ſie immer dieſelbe geblieben. Einige Tage vor Weihnachten ſchickte Ihre Gna⸗ den ihren Bedienten mit einem Billet zu Richard. Als der Bote mit der Antwort zurückkam, daß der Doktor Nachmittags kommen würde, gab die Profeſſorin ihrer Tochter Erlaubniß, die Einladung, welche die Gräfin Stormhjelm an Albertine ge⸗ macht, ſie ins Theater zu begleiten, anzunehmen. Der Wagen der Gräfin holte Albertine bereits um fünf Uhr, ſo daß Ihre Gnaden ſich allein zu Hauſe befand. ungefähr um ſechs Uhr fand ſich der Doktor ein⸗ Ihre Gnaden ſaß im Kabinet, ganz wie das erſte Mal, als ſie ihn hatte rufen laſſen, und kein