14
er mit der Schweſter gemeinſchaftliche Sache machen würde.
Es ſchien indeſſen, als wenn die Profeſſorin Glück haben ſollte. Als der Profeſſor Anfangs October zurückkehrte, war Albert nicht mit ihm, ſondern war in Deutſchland geblieben und ſollte nicht vor Ende November nach Hauſe kommen. Man erwartete ihn täglich und darum hatte die Profeſſo⸗ rin beſchloſſen, daß das Aufgebot vorher ſtattfinde, damit der Schritt unwiderruflich gethan ſei.
Ein heißer Streit hatte am obengenannten Don⸗ nerstag zwiſchen der Profeſſorin und Albertine ſtattgefunden; ein Streit, welchen das kalte, gefühl⸗ loſe Weib nicht mit Ruhe beſtehen konnte; denn die Tochter hatte zu ihren Füßen gelegen und ſie an⸗ gefleht, ſie nicht zu opfern; aber die Profeſſorin, welche einen Augenblick etwas Mitleid in ihrer Bruſt ſich bewegen fühlte, hatte doch, Dank ihrer Feſtigkeit, dad urch der Scene ein Ende gemacht, daß ſie der Tochter aufzuſtehen, auf ihr Zimmer zu gehen und dort zu bleiben befahl, bis die Mutter ſie rufen ließ.
Nachdem Albertine ſie verlaſſen hatte, pries die Profeſſorin ihre eigene Seelenſtärke, welche es ihr nicht geſtattete, daß ſie ſich von ihrer Schwäche überrumpeln ließ, ſondern mit unerſchütterlicher Feſtigkeit auf das Ziel losging, welches ſie ſich ge⸗ ſteckt; ein Ziel, welches nur auf das Glück ihrer Tochter Bezug hatte.
Wenn Albertine als ein halsſtarriges Kind ihr eigenes Wohl nicht verſtand, ſo war es ihre Pflicht als Mutter, ſich nicht durch unvernünftige Bitten


