Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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ergriff ſie wieder und drückte ſie an ſeine Lippen mit der ganzen Gluth der Liebe. Dann ſagte er mit ſeiner tiefen, ernſten Stimme:

Niemals, meine Geliebte, werde ich Dich verlaſſen, aber damit ich Dir nützen kann, mußt Du ſogleich heimkehren.

Verlange, daß ich ſterbe, Richard, aber ver⸗ lange nicht, daß ich zurückkehre! rief Albertine und that einen Schritt gegen die Thüre. Ich werde es Dir unmöglich machen, daß Du mich aus edlém Schicklichkeitsgefühle zu dieſer herz⸗ loſen Mutter zurückführſt. Ich werde mich vor Deinen Gäſten zeigen und meinen Namen und meine Ehre preisgeben. Alles kann ich opfern, nur Dich nicht.

Richt Deinen Namen, nicht Deine Ehre würdeſt Du dadurch bloßſtellen, ſondern die meinige. Höre mich darum, armes, unglückliches Kind, welches um meinetwillen ſo viel gelitten hat.

Das Opfer, welches Du dich anbieteſt, mir zu bringen, kann ich nicht annehmen, weil ich dann eine ehrloſe verächtliche Handlung begehen würde. Du biſt, von Deiner Verzweiflung gejagt, hierher⸗ gekommen, um bei mir Schutz zu ſuchen, den ich, ohne meine Ehre zu beflecken, Dir nicht gewähren kann; ich werde Dir dagegen einen gewähren, welcher vor Gott und vor den Geſetzen gültig iſt.

Schon bevor Du kamſt, hörte ich, daß Du am Sonntag aufgeboten werden ſollteſt, und mein Ent⸗ ſchluß war dann gefaßt. Ich that einen heiligen Schwur darauf, daß es nie ſo weit kommen ſollte.