11 5
Entweder iſt ſie ſehr krank oder ſehr unglücklich.
Laut ſagte er:
— Sie haben gewünſcht mich zu ſprechen.
Die auf dem Sopha ſitzende Dame ſtand lang⸗ ſam auf und erhob ihren gebeugten Kopf, ſo daß ſie jetzt aufrecht gerade vor dem Doctor ſtand.
Kaum waren die Augen des Doctors auf dieſes marmorbleiche, von Schmerz entſtellte Geſicht gefallen, als er vor ihr auf die Kniee ſtürzte, ihre eiskalten Hände ergriff und mit einer Stimme voll Angſt rief:
— Albertine! O mein Gott, was iſt paſſirt?
Ein Seufzer, welcher Alles enthielt, was ſie ſeit ihrer Trennung gelitten, arbeitete ſich aus ihrer gepeinigten Bruſt hervor. Sie beugte ſich zu ihm herab und flüſterte:
— Alles hat mich verlaſſen, ſogar meine Seelen⸗ ſtärke; jetzt bin ich hier, um Deinen Schutz zu ſuchen.
Der Doctor war ſo aufgeregt, daß er nicht zu antworten vermochte, er führte nur ihre Hände an ſeine Lippen.
— Ich habe Widerſtand geleiſtet, aber vergebens. Ich habe gefleht, zu ihren Füßen,— es war gleich fruchtlos. Morgen beſtellen ſie das Aufgebot.
— Nein, Albertine; nein, ſo weit ſoll es nicht kommen, rief der Doctor und ſtand auf.
— Darum bin ich hier und gedenke nicht heim⸗ zukehren. Du biſt mein Beſchützer,— derjenige, welcher die Gewalt von mir abwehren ſoll, die man mir anzuthun beabſichtigt. Richard, wirſt Du mich auch verſtoßen?
Albertine reichte ihm ihre Hände. Der Doctor


