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— Sie ſollten alſo eine Braut an den Altar ſchleppen wollen, welche Sie nicht liebte, die Sie vielleicht verabſcheute, die nur durch den Machtſpruch ihrer Mutter gezwungen wurde, Ihre Gattin zu werden?
— Ja, mein Fräulein! Wenn ich liebe, habe ich nur ein Streben, ein Ziel, das ich zu erreichen ſuche, und dieſes Ziel iſt, in den Beſitz deſſen, was ich liebe, zu gelangen. Setzt ſie meiner Liebe Ab⸗ ſcheu entgegen, ſo ſteigert ſie dieſe Liebe bis zur Raſerei. Das, was urſprünglich ein zartes und glühendes Entzücken für Herz und Einbildung war, wird durch Widerſtand eine wilde, ſtürmiſche Be⸗ gierde, welche, mag es koſten, was es wolle, befrie⸗ digt werden muß. Es wird eine Ehrenſache, denn meine Eigenliebe, die tief dadurch verletzt iſt, einen Andern mir vorgezogen zu ſehen, wird gezwungen ſich zu rächen, um trotz Drohungen, Abſcheu und Verachtung des Weibes, das mich einſt verſchmähte, Herr zu werden. Sie trotz allem Widerſtand zu beſitzen, wird mein Sieg; und iſt ſie einmal die Meinige, dann werde ich ſie bald lehren, mich zu lieben. Es liegt in der Natur des Weibes eine heimliche Neigung, alle Handlungen, welche in dem Streben begangen werden, es zu gewinnen, zu ver⸗ geſſen, und ſelbſt der Haß verwandelt ſich in Liebe, wenn es gezwungen wird, die Kraft in dem Charak⸗ ter des Mannes zu bewundern, welcher kein Mittel ſcheut, ſein Glück zu erreichen.
— Sie täuſchen ſich! Diejenigen Weiber, bei welchen der Haß ſich in Liebe verwandelt, haben in der Einbildung gehaßt, und werden auch in der Ein⸗
Schwartz, Zwei Familienmütter. J. 19


